Verwalter – oder wie Organisationen verrotten

„Fortschritt ist ein schönes Wort. Seine Triebkraft aber heißt Wandel. Und der Wandel hat seine Feinde.“

Robert Kennedy

Sind sie auch schon einmal an einen früheren Tätigkeitsbereich zurückgekehrt und es hat sich dort nichts verändert? Dutzende von Buzzword-Hype-Changes, aber unter dem frischen Anstrich von Agilität und digitaler Transformation schaut immer noch die alte Kontroll Mentalität durch?

Sie sind in das Reich der Verwalter eingedrungen, hier finden keine Veränderungen statt, neue Prozesse und Methoden werden hier den „Erfordernissen“ angepasst. Egal ob Kanban, Scrum oder XP, hier wird nur nach dem Sinatra Prozess gearbeitet („I did it my way„).

Wer sind diese Verwalter? Nach Suzanne Grieger-Langer sind es Pfeifen, Mitarbeiter ohne große Eigenleistung, die nur durch die Arbeit anderer glänzen. Sie halten sich selbst für hochqualifiziert und können der Leistung anderer nicht viel abgewinnen. Erik Dietrich nennt solche Mitarbeiter Expert Beginners, die zur fälschlichen Einsicht gekommen sind, dass sie den Expertenstatus erlangt haben und sich nicht mehr aktiv weiterentwickeln.

In der Regel sind Verwalter in der Firma nicht kritisch, sie tragen ihren Teil zur Produktivität bei und werden fortwährend gezwungen, sich dem Vergleich mit anderen Mitarbeitern zu stellen. Das ganze System kann jedoch kippen, wenn Mitarbeiter verstärkt fluktuieren. Bruce F. Webster beschreibt es als Dead Sea Effekt und Scott Adams albert in seinen Dilbert Comics über Downsizing Intelligence.

Der Death Sea Effekt bedeutet verkürzt, es gehen die motivierten, mobilen Experten, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind. Zurück bleiben die anderen, die zögerlichen und weniger qualifizierten. Werden nun die Reihen nicht sorgfältig wieder aufgefüllt, dann sinkt die Gesamtqualifikation eines Teams, einer Abteilung oder sogar einer ganzen Firma. Es ensteht eine Mangelwirtschaft, in der Nichtqualifizierte kurzfristig die Aufgaben ihrer qualifizierten Vorgänger übernehmen müssen. Qualitäten sinken und Überstunden nehmen zu. Dieser Effekt verläuft selbstverstärkend, da neue Mitarbeiter relativ schnell bemerken, dass die Organisation nicht gesund ist. Je nach Möglichkeiten verlassen die neuen Mitarbeiter die Firma dann sofort wieder.

Manchmal geraten Verwalter auch auf Leitungspositionen, dann sorgen für Stillstand. Neue Technologien werden nur durch Projekterfordernisse angenommen, Konferenzen und Schulungen werden zurückgefahren, da sie unnötig erscheinen. Mitarbeiter, die sich den verändernden Rahmenbedingungen nicht unterordnen wollen, flüchten oder werden aus der Firma gedrängt. Die Qualität der Arbeit und die Motivation der zurückgelassenen Mitarbeiter nimmt stetig ab.

Leider funktionieren solche Firmen über längere Zeit weiter, weil Qualität und Produktivität nur langsam abfallen. Veränderungen ergeben sich nur durch äußere Einflüsse. Dazu zählen drastische Marktveränderungen, Abwanderung wichtiger Kunden oder ein Wechsel in der Geschäftsführung.