Ergonomie? Nein Danke!

Ergonomie ist der hässliche Fluch den gekränkte Softwareentwickler über die Benutzer aussprechen können.  Ein missgelaunter Moment durch die schwarze Brühe am Automaten, von der Geschäftsführung liebevoll „preiswerter Kaffee als Incentive“ genannt und eine weitere Arbeitserleichterung wird nie das Licht der Welt erblicken.

Wie anders kann man sonst die Fehlermeldungen „Es ist ein Fehler aufgetreten,  sagen sie dem Administrator bescheid“ oder „Ein Direktstorno ist nach einer Vouchervalidierung einer Order nur für Buchhaltungsmandanten freigeschaltet“ erklären? 

Da werden Benutzer mit unverständlichen Informationen bombardiert oder Hilfestellung geboten, die manchmal gar nicht existieren. Der geheimnisvolle Administrator, ohne Kontaktinformationen, den man ohnehin 4 mal am Tag informieren könnte. Warum versendet die Anwendung denn nicht selber die Informationen, die sie dem Anwender verschweigt?

Gerade durfte ich mir Gedanken über einen Kollegen in einem Bankhaus machen. Ich wollte Geld abheben und wählte „Splitten“ weil ich die 50€ nicht als einzelne Banknote wollte. Dann erschien der Splitdialog auf dem die Option ein Schein 50€ ausgewählt war. Wie komm man auf die Idee, dass ein Schein, eine gewünschte oder überhaupt sinnvolle Erstbelegung für einen Splitdialog darstellt?

Kürzlich sah ich einen Dialog in dem man Dinger anlegen konnte. Nicht wirklich Dinger aber ich muss hier anonymisieren. Mit den Dingern kann man dingsen, aber immer nur mit einem. Dingst schon eines, dann muss man das erst entdingsen, bevor das neue gedingst werden kann. Versucht man es trotzdem, dann erscheint eine Fehlermeldung, die dem überraschten Sachbearbeiter diesen merkwürdigen Sachverhalt erklärt. Wer jetzt neben dem Button OK, den ergonomisch sinnvollen Button Verstanden und jetzt mach was ich möchte erwartet,  wird enttäuscht. Der Sachbearbeiter muss tatsächlich den Dialog verlassen und in einem anderen Dialog entdingsen um dann im ursprünglichen Dialog zu dingsen.

War der Entwickler an dieser Stelle tatsächlich ein Sadist,  der eine Freude daran hat, neue Sachbearbeiter in die Ding Falle tappen zu lassen? Vermutlich wurde die Möglichkeit mehrere Dinge zu verwenden nachträglich eingebaut und führte an diversen Stellen zu Stacktraces,  also ganz hässlichen Fehlermeldungen. Dann bekam ein Entwickler,  vermutlich ein Neuling oder ein Frustrierter,  den Auftrag „Mach die hässliche Fehlermeldung weg“ und hat einen hübschen Fehlerdialog von anderer Stelle kopiert. Er hat das Symptom und nicht das Problem korrigiert, weil ihm die Zeit, das Problemverständnis und die Kompetenz fehlten.

So etwas passiert in Software Fabriken,  in denen Programmierer keinen Kontakt zu den Anwendern haben und ihnen auch keine Freiräume für sinnvolle Lösungen gegeben werden. Am Ende zahlt sich dieses Vorgehen nie aus, da Anwender und Entwickler und irgendwann auch die Geschäftsführung frustriert ist von der eigenen Anwendung.